Angedacht zum Jahreswechsel zu 2. Mose 13, 20-22

Jahreslosung 2021
Bildrechte: https://www.verlagambirnbach.de" - Verlag am Birnbach - Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen

So zogen sie aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste. Und der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.
Der Predigttext für Silvester bringt uns in eine völlig andere Welt, mehr als 3000 Jahre zurück. Nach Ägypten. Die Nachkommen Jakobs und Josefs, die ursprünglich aus Israel stammen, sind durch eine Hungersnot dorthin gekommen und haben gut und sicher in Ägypten gelebt. Doch dann wechseln die Herrscher und ein Pharao ist plötzlich an der Macht, der Angst bekommen hat vor dem kleinen und zugleich starken Gruppe der Israeliten in seinem Land. Das Volk wird deshalb unterdrückt und geknechtet. Sie müssen hart arbeiten. Am Ende wollen sie nur noch raus aus dem Land, aber das ist nicht so leicht. Denn der Pharao lässt sie nicht ziehen. Schließlich gelingt ihnen die Flucht mit Gottes Hilfe. Sie haben nicht viel dabei, so überstürzt, wie sie aufgebrochen sind. Aber sie sind beseelt von der Idee, endlich in die Freiheit zu ziehen, in ein Land, wo Milch und Honig fließen. Wo alles besser sein wird. Sie wollen einfach nur gut und frei leben. Mit ihren Familien, mit ihrem Gott. Dahin sind sie unterwegs, unterwegs zum guten freien Leben. Zurück in das Land ihrer Mütter und Väter. Aber der Weg dorthin ist weit. Mehrere hundert Kilometer müssen sie gehen – durch die Wüste - und das zu Fuß! Und sie stehen erst am Anfang, sind gerade erst aufgebrochen.
Das vergangene Jahr war für viele ein schweres Jahr in grundsätzlich guten Zeiten. Das Virus Covid 19 hat unser Land und die ganze Welt in Atem gehalten. Alles ist plötzlich anders geworden. In einem Maße anders und schwer, wie wir uns das vorher nicht haben vorstellen können. Auch wir sind geknechtet und unterdrückt worden, so mancher Freiheiten beraubt. Nicht ein Pharao oder die Politiker*innen von heute sind Schuld an der Corona-Knechtschaft, auch wenn manche uns glauben machen wollen. Schuld ist das ansteckende und krankmachende Virus. Die Politik musste reagieren und hat es getan, meistens mutig und besonnen. Sonst hätte es noch viel mehr Tote und eine noch stärker ruinierte Wirtschaft gegeben. Trotzdem: Wir fühlen uns eingeengt und fremdbestimmt. Und wir nehmen eine Sehnsucht mit ins neue Jahr, die so ähnlich ist wie die der Israeliten vor 3000 Jahren. Wir wollen ein gutes und freies Leben, mit unseren Familien und mit unserem Gott. Und wir wissen doch, auch darin ergeht es uns ähnlich, dass noch ein weiter Weg vor uns liegt, um dahin zu kommen. Aber es gibt Hoffnung. Impfstoffe sind da. Die ersten Menschen sind geimpft. Viele werden folgen. Aber das dauert. Das neue Jahr wird uns nicht gleich in die alte Welt vor Corona zurückbefördern. Wir brauchen Geduld. Ein langer Weg liegt vor uns. Eine lange Wüstenwanderung mit klarem Ziel: ein gutes und freies Leben.
Die Israeliten sind damals nicht allein gezogen. Sie haben ihre klugen Führer gehabt: Mose, Mirjam, Aaron. Die mussten sich auch so manches anhören von einem murrenden Volk. Und noch viel wichtiger war: Gott ist mitgezogen. Der eigentlich unsichtbare Gott ist sichtbar mit dem Volk gezogen: tagsüber in einer Wolkensäule und nachts in einer Feuersäule. Ohne Gott hätten sie es nicht geschafft durchzuhalten und den rechten Weg zu finden. Von Anfang an hat Gott in den schweren Zeiten gezeigt: Ich bin da. Ich ziehe mit euch. Ihr seid nicht allein. Und er sagt es uns auch heute. Gerade erst haben wir Weihnachten gefeiert und die Worte der Engel gehört: Fürchtet euch nicht. Gott ist da. Ihr seid nicht allein. Im Vertrauen auf diesen Gott ziehen wir in das neue Jahr.

Ein gesegnetes neues Jahr mit viel Geduld wünscht Ihnen
Ihre Birgit Niehaus, Pfarrerin