Angedacht - zum Volksbegehren

  Mehrere Umweltgruppierungen und Parteien laden in diesen Tagen (31.1. bis13.2.) in Bayern ein zur Teilnahme an einem Volksbegehren zum Thema „Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern - Rettet die Bienen!“ Die kleine ÖDP hat es ursprünglich auf den Weg gebracht, aber inzwischen gibt es viele Gruppierungen aus der gesamten Gesellschaft, auch in den Kirchen, die dieses Volksbegehren unterstützen. Wir Wahlberechtigten werden aufgefordert, in den Rathäusern unsere Unterschrift abzugeben für dieses Begehren, denn nur wenn ausreichend Menschen unterschreiben, nämlich 10% der Wahlberechtigten in Bayern, also etwa eine Million Menschen, geht es weiter. Was passiert, wenn sich genügend beteiligt haben? Dann steht das Thema auf der Agenda des Landtages. Der Landtag wird sich zeitnah und umfassend mit diesem Thema beschäftigen müssen. Er kann den Inhalten des Volksbegehrens zustimmen – dann wäre das Ziel erreicht - oder sie ablehnen, dann käme es zu einem Volksentscheid. Es gäbe auch die Möglichkeit, einen dritten Weg zu finden und einen alternativen Gesetzentwurf zu entwickeln.

Wenn sich nicht genügend Menschen eintragen lassen, passiert vermutlich erstmal nichts. Das wäre aus meiner Sicht eine vergebene Chance zu diesem kritischen Zeitpunkt. Denn wir können uns in den letzten Monaten gar nicht mehr retten vor seriösen und wissenschaftlich fundierten Nachrichten, die erschütternd sind. Die Insekten sind seit 1989 um etwa 75% zurückgegangen. Die Vögel in ganz Europa sind um etwa 56 % zurückgegangen. Die Bienen sterben. 40 Arten gelten als ausgestorben, Von den restlichen 506 Wildbienenarten sind die Hälfte vom Aussterben bedroht. Bei Honigbienen ist die Situation ähnlich. Überhaupt verschwinden täglich Arten. 60% der weltweiten Tierpopulation ist seit 1970 ausgestorben. Die Zahlen sind erschreckend und alarmierend. Ich erlebe es gerade hautnah: Den ganzen Winter über steht und hängt bei mir Vogelfutter, aber es bleibt unberührt, denn in meinem großen Garten gibt es keine Vögel mehr, außer den Elstern.

Oft sind wir angesichts solcher Botschaften traurig und wir fühlen uns machtlos und wissen nicht, was wir dagegen tun könnten, aber nun können wir in Bayern etwas tun und das Thema auf die Tagesordnung der Politik setzen. Dafür sind Politikerinnen und Politiker gewählt und da, dass sie Gesetze und Rahmenbedingen schaffen, die Leben ermöglichen und schützen für Mensch, Tier und Natur. Wir Menschen sind Teil der Natur. Wir können ohne sie gar nicht existieren. Wenn die Natur stirbt, sterben auch wir irgendwann.

In den biblischen Schöpfungserzählungen wird dem Menschen von Gott die Aufgabe zugedacht, die Erde zu „beherrschen“, aber nicht im Sinne von egoistischem Ausbeuten, sondern im Sinne von bebauen und bewahren. Wir haben eine große Verantwortung bekommen, der wir aber in den letzten Jahrzehnten nur schlecht gerecht geworden sind. Jetzt sterben in dramatischer Weise die Tiere und viele Arten in Flora und Fauna um uns herum. Wir sind gefordert, den alten Auftrag Gottes neu ernst zu nehmen, nämlich auf Gottes schöner Erde das Leben zu behüten und zu bewahren und zu retten, was noch zu retten ist. Fangen wir in Bayern damit an.

 

Das meint und grüßt sie freundlich

Ihre Birgit Niehaus, Pfarrerin