Was macht Kirche zu Kirche?

Geht man nach der Wortbedeutung, heißt die Antwort: Kirche dort ist, wo der Herr (Jesus) ist. Denn das deutsche Wort Kirche stammt ab vom dem griechischen Wort Kyrios, und das heißt „der Herr“ und meint den Herrn Jesus Christus. Eine unserer Bekenntnisschriften, das Augsburgische Bekenntnis von 1530, sagt sinngemäß: Kirche ist dort, wo das Wort Gottes gepredigt wird und die Sakramente (Taufe und Abendmahl) recht verwaltet werden. Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer hat angesichts des Versagens seiner evangelischen Kirche in Dritten Reich formuliert: „Kirche ist Kirche, wenn sie für andere da ist.“ Und an anderer Stelle spitzt er zu: „Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen.“ Und das meint: Kirche soll sich nicht selbstgefällig um sich selbst drehen, sie muss sich für die Menschen einsetzen, die in ihrer Gesellschaft benachteiligt werden und entrechtet sind. Das waren zurzeit Bonhoeffers die Juden. Das waren zurzeit Jesu die Kranken, Obdachlosen, Zöllner, Huren und andere. Deswegen hat Jesus sich besonders für sie eingesetzt. „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder oder Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan“, sagt deshalb Jesus im Gleichnis vom Weltgericht. Wer sich für Menschen einsetzt, die gering geachtet werden und um sie sich sonst keiner kümmert, der setzt sich für Jesus ein. Dort ist Kirche.

Eine Delegation von Pfarrerinnen und Pfarrern aus dem Dekanat Aschaffenburg hat in den Faschingsferien unsere Evangelisch-Lutherische Partnerkirche in Costa Rica besucht. Diese Kirche ist sehr klein, sie hat nur 7 Pfarrer und wenige Gemeinden. Aber sie hat ein besonderes Profil, das aus dem Geist Jesu und vom Kirchenverständnis Bonhoeffers her kommt. Sie ist Kirche, die sich für diejenigen einsetzt, für die sich sonst in der katholisch geprägten Gesellschaft von Costa Rica kaum jemand einsetzt. Sie arbeitet mit armen Frauen und schafft Wohnraum für Flüchtlinge, sie betreibt eine Kindertagesstätte im Armenviertel von San José, der Hauptstadt Costa Ricas, sie engagiert sich für Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen und für die Indigenes (ursprüngliche Völker) im Land. Eine Flüchtlingsfrau sagte: „Jesus umarmt uns alle. Das erfahre ich hier in der Kirche.“ Eine Transfrau erklärte uns: „Ich habe zum ersten Mal hier in der Kirche erlebt, dass Gott mich liebt.“ Der Sprecher eines indigenen Volkes betonte, die Lutherische Kirche sei die einzige, „die uns so akzeptiert, wie wir sind und die sich für unsere Rechte einsetzt“. In Costa Rica haben wir erlebt, dass die dortige kleine lutherische Kirche darin ihren Sinn und ihre Aufgabe findet, für andere da zu sein und ihnen das Evangelium zu bringen.

Seien Sie herzlich gegrüßt

Ihre Birgit Niehaus, Pfarrerin