Wie können wir Rückzugsorte und -zeiten finden? - Teil 1

Wie kommen wir zur Ruhe in einer Welt, die ständig irgendetwas zu bieten hat? Die uns animiert, immerzu zu konsumieren. Die Wünsche und Begehrlichkeiten weckt. Die uns vermittelt, wir müssten ständig etwas unternehmen, um normal zu sein. Mit dem Smartphone in der Hosentasche oder auf dem Tisch sind wir geradezu in steter Empfangshaltung. Und viele erwarten auch, dass der Mensch am anderen Ende der Leitung schnell reagiert. Richtige Ruhe- und Auszeiten sind bei vielen Menschen kaum vorgesehen. Manche Jugendlichen können es noch und machen uns vor, wie es geht, und sie haben dafür ein besonderes Wort: chillen. Und vielleicht leben auch in Älteren insgesamt entschleunigter, denn sie merken, dass sie ruhebedürftiger werden und haben ohne Erwerbsleben dann auch die Zeit dazu. Aber alle anderen in der Rush Hour des Lebens tun sich schwer damit, Ruhe zu finden und mal richtig abzuschalten. Und ein- zweimal Urlaub im Jahr reichen dafür nicht.

 

Für die ständig Bewegten ist das eine echte Frage: Wie können wir bei uns sein, mal Abstand gewinnen, zur Ruhe kommen und uns regenerieren? Als ich in meiner Auszeit im Juli am Meer war, habe ich viele Dinge und Tätigkeiten, die mich sonst beschäftigen, zuhause gelassen. Plötzlich waren da ungeahnte Freiräume. Interessanterweise kommen dann ungesteuert Denkprozesse in Gang. Man ist in der Tat viel mehr bei sich selbst und seinen inneren Fragen, die sie sonst kaum eine Chance haben hochzukommen. Mich hat u.a. die Frage nach dem Zur-Ruhe-kommen im Alltag beschäftigt. Und als Theologin interessiert mich natürlich: Wie hat Jesus eigentlich den Rückzug von der Welt praktiziert? Wie ist er zur Ruhe gekommen? Vor allem in den ein, zwei, drei Jahren der öffentlichen Wirksamkeit? Da wurde er ja überall von Menschenmassen bedrängt, die ihn hören und berühren wollten oder sich nach Heilung sehnten.

 

Ganz besonders der Evangelist Markus, der als erster ein recht kurzes Evangelium geschrieben hat, beschäftigt sich beiläufig immer wieder mit dieser Frage. Er zeigt in seinem Evangelium mehrere Rückzugsorte und Rückzugsstrategien Jesu. Deutlicher als die anderen Evangelisten. Diese Orte möchte ich ihnen in den nächsten Wochen gerne vorstellen, sozusagen als Ideensammlung für die Zeit nach den Ferien.

Eine schöne letzte Ferienwoche und herzliche Grüße!
Birgit Niehaus, Pfarrerin