Wie können wir Rückzugsorte und -zeiten finden? - Teil 2

Neuerdings sind in den Medien häufiger Artikel zu lesen, die betonen, wie heilsam es ist, in der Natur zu sein. Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, die das bestätigen. Das scheinen die modernen Menschen vergessen zu haben. Auch Städte streben es neuerdings an, grüner zu werden, weil es dem Klima, den Menschen und Tieren gut tut.

Was an Jesu Rückzugsorten auffällt: Auch sie sind hauptsächlich in der Natur. Nun war Israel vor 2000 Jahren noch mehr als heute ein Agrarland. Überall ist Natur! Und es ist selten kalt in Israel, so dass man sich gut draußen aufhalten kann. Für das kleine Land, das kaum größer ist als Hessen, hat Israel eine Fülle an unterschiedlicher Natur zu bieten: Meer, Süßwassersee, Salzsee, Fluss und Flussebenen, Felder, Gebirge, Wüste. Zu Beginn seines Wirkens ist Jesus in Galiläa. Das ist im Norden von Israel. Viele kleine Städte haben sich am dortigen See Genezareth angesiedelt. Jesus wirkt in diesen Städten, in Kapernaum, in Betsaida und anderswo. Er geht von Ort zu Ort, denn die Städte sind der Ort, wo Menschen wohnen, wo Synagogen stehen. Dort hat Jesus gepredigt und gewirkt. Der See Genezareth ist so groß, dass er auch Galiläisches Meer oder Meer von Tiberias genannt wird. Und dieses Meer ist in der Anfangszeit seines Wirkens der wichtigste Rückzugsort. Aber die Menschen finden das schnell heraus und folgen ihm dorthin. Dann beauftragt Jesus seine Jünger, ein Boot für ihn bereit zu halten, falls die Menge der Menschen ihn zu erdrücken drohe. Gut, dass Fischer seine besten Freunde sind und immer ein Boot da ist! Einmal fühlt er sich selbst beim Predigen am Ufer des Sees so bedrängt, dass er auch dafür auf ein Boot geht und von dort aus predigt. Dann fahren Jesus und die Jünger auf die andere Seite des Sees, weit weg also von der Menschenmenge. Aber auch das Boot bietet manchmal nicht Schutz, denn andere Boote folgen ihm. Als das mal passiert ist, kommt schließlich ein Sturm auf. Der sorgt erst für Unruhe und Angst, aber dann folgt die Stille, als Jesus für Ruhe sorgt. Mit dem Boot kann Jesus aber offenbar immer wieder entkommen und zur Ruhe finden. Mitten auf dem See ist er ziemlich sicher.

Viele Menschen haben in sich eine Sehnsucht nach dem Meer, nach Wasser. Sie fahren an einen Urlaubsort, wo es Wasser gibt zum Baden, zum Bootfahren und zum Zurückziehen. Sie lieben den Blick auf das Wasser. Dass die Kreuzfahren zurzeit so boomen, hat sicher auch damit zu tun, dass es schön ist, über das Meer zu gleiten, nichts zu sehen als Wasser und den Horizont. Das beruhigt. Wir müssen aber in Aschaffenburg gar nicht weit fahren, um aufs Wasser zu schauen. In Mainaschaff und Niedernberg gibt es schöne Seen oder wir setzen uns einfach an den Main. Dort kann man zur Ruhe kommen und die Seele baumeln lassen.

Mit herzlichen Grüßen
Birgit Niehaus, Pfarrerin