Angedacht

Gesichter
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Liebe Leserin, lieber Leser,

manchmal gibt es Aufgaben, die sind zu schwer. Die kann eine oder einer allein nicht tragen. Täten sie es weiterhin, würden sie zusammenbrechen. Mose hat vor über 3000 Jahren eine solche übergroße Aufgabe übernommen. Er soll das Volk Israel durch die Wüste führen, aus Ägypten nach Kanaan. Das ist ein harter Weg und bedeutet viele Jahrzehnte Wandern durch die Wüste. Das ist nicht so spaßig wie bei uns heute Wanderungen verlaufen. Das Volk beschwert sich immer wieder - und gegen wen murrt es? So wie üblich: gegen die Führer, gegen die, die Macht und Verantwortung haben. Also gegen Mose. Anführer, die sich engagieren und vieles schaffen, müssen die Last der Aufgaben und zudem oft die üblen Launen und Worte der Anvertrauten ertragen. Das war schon immer so. Daran kann man zerbrechen, so wie Mose, der lieber sterben möchte, als so weiterzumachen wie bisher. Mose redet Klartext – mit Gott, seinem obersten Chef:

„Warum tust du mir, deinem Diener, dies alles an? Womit habe ich es verdient, dass du mir eine so undankbare Aufgabe übertragen hast? Dieses Volk liegt auf mir wie eine drückende Last… Ich allein kann dieses ganze Volk nicht tragen, die Last ist mir zu schwer. Wenn du sie mir nicht erleichtern willst, dann hab wenigstens Erbarmen mit mir und töte mich, damit ich nicht länger diese Qual ausstehen muss.« (4. Mose 11, 11-15)

Moses Leid ist groß und er nimmt es ernst. Er ist mutig und sagt deutlich: Es ist zu viel, es ist zu schwer. Mach was, Gott. Sonst möchte ich lieber sterben. Und ohne Zeit zu verlieren, handelt Gott. Er sagt nicht: Das schaffst du schon. Hast du ja bislang auch geschafft, das wird schon. Stell dich nicht so an; andere Führer vor dir haben es auch geschafft. Arschbacken zusammen und ab durch die Wüste! Nein. Solche Worte fallen nicht. Gott handelt. Schnell. Klug. Fürsorglich. Denn er will Mose nicht an Burnout oder den Tod verlieren. Er braucht ihn noch, den engagierten Führer des Volkes. Und er überlegt sich ein Prinzip, das bis heute funktioniert: Arbeit aufteilen. 70 Älteste des Volkes werden zusammengetrommelt. Und die Arbeit des einen wird fortan auf 71 Personen aufgeteilt. Die vielen aus dem Volk bekommen einen Auftrag von Gott und erhalten den Heiligen Geist, um ihre Aufgabe zu tun. Das ist die Geburt eines Wüstenwandervorstands. So ähnlich wie heute ein Kirchenvorstand einer Kirchengemeinde funktioniert. Der wird gewählt, offiziell eingesetzt und wird auch gesegnet mit dem Heiligen Geist. Er soll mitmachen und entlasten und zusammen mit den Pfarrer*innen und Diakon*innen und allen, die in der Gemeinde arbeiten, die Gemeinde führen und voranbringen. So dass keiner zusammenbricht und so frustriert ist, dass er sterben will.

Das ist eine uralte Geschichte aus unserer Bibel. Sie zeigt uns Gott als fürsorglich handelnden Seelsorger, der nicht mit Worten vertröstet, sondern der schnell und pragmatisch eine Lösung vorschlägt und umsetzt: 70 Älteste gegen die Überlastung einen. Wie aktuell und klug. Und voll mit Heiligem Geist. Das war übrigens der Predigttext am Pfingstmontag.

Mit freundlichen Grüßen
Ihre Birgit Niehaus, Pfarrerin