Angedacht
Liebe Leserinnen und Leser.
Vertrauen ist manchmal alles. Nichts anderes will das Bibelwort für die kommende Woche: „Jesus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.“ (Joh. 10,11a.27-28a) Aber das Bild vom guten Hirten zieht heute nicht mehr. „Ich bin doch kein einfaches Herdentier!“ sagt sich so mancher. Selbst, wenn man weiß, dass Schafe und Hirte eine komplexe sorgende Gemeinschaft sind – ein einfaches Schaf will niemand mehr sein. Dabei verschweigt unser Wochenspruch die Zeilen dazwischen: Hier erzählt Jesus von den Räubern und den falschen Hirten, die die Herde den Wölfen überlassen. Der wahre Hirte aber wird für seine Schafe sein Leben geben. Das klingt schon anders. Der gute Hirte ist bereit, um der ihm Anvertrauten willen auf alles zu verzichten: Auf Macht, Ehre, Einfluss und Anerkennung. Er spricht nicht nur davon, er tut es auch. Das macht ihn vertrauenswürdig. Er unterscheidet sich von denen, die Menschen für ihre Zwecke benutzen und im schlimmsten Fall die Wölfe auf sie hetzen. Vertrauen aber ist wie eine zarte Pflanze – sie wächst langsam und kann schnell vertrocknen. Wo Menschen im Namen dieses guten Hirten aber erleben: Hier geht es anders zu, hier muss ich mich nicht verstellen, hier treten Menschen für mich ein, hier haben die Wölfe nichts zu melden – da wächst Vertrauen - da wächst eine Gemeinschaft. Eine, die sich immer im gegenseitigen Vertrauen an ihren guten Hirten wenden kann.
Ihr Pfarrer Hauke Stichauer