Angedacht

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Angedacht

„Das aber verdross Jona sehr und er war zornig und betete zum HERRN und sprach: Ach, HERR, das ist’s ja,…weshalb ich eilends nach Tarsis fliehen wollte, denn ich wusste, dass du gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte bist und lässt dich des Übels gereuen. So nimm nun, HERR, meine Seele von mir, denn ich möchte lieber tot sein als leben.“ (Jona 4, 1-3)

Liebe Leserin, lieber Leser, 

halten wir einen Gott aus, der sein Wort bricht, weil ihn etwas gereut? Im letzten Angedacht war ich mit dem Theologen Jürgen Ebach zu folgendem Schluss gekommen: Gottes Macht zeigt sich gerade in seiner Fähigkeit zur Schwäche, zu Gefühlen, zum Mitleiden und zur Reue. Gott hat also Macht auch über seine Macht und muss nicht das, was er einmal angekündigt hat, – auf Teufel komm raus – durchziehen. Er hat die Gabe, sich vom Leben, von Menschen, von unseren Gebeten beeinflussen zu lassen und einmal Verkündigtes zu widerrufen. Doch halten wir so einen wankelmütigen Gott aus? 

Wem Sicherheit im Leben wichtig geworden ist, wird sich damit schwertun. Viele Christenmenschen halten sich angesichts herausfordernder Veränderungen und Krisen an das, was Jesaja sagt: „Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich.“ (Jesaja 40,8) Auch ich halte mich daran fest. Ein Gott, der sein Wort ändert, passt da nicht ins Bild. Wenn Sie also Probleme mit einem reumütigen Gott haben, sind Sie in guter Gesellschaft. Schon die Bibel berichtet davon, dass selbst Propheten Gottes Reue nicht aushalten konnten. Der oben zitierte Prophet Jona möchte lieber tot als lebendig sein, weil Gott sein Wort bricht. Was war geschehen?

Jona wird von Gott beauftragt, in die böse Stadt Ninive zu gehen, um dort das Gericht Gottes anzukündigen. Doch er entzieht sich diesem Auftrag, flieht auf einem Schiff, ein Sturm bringt die Mannschaft dazu, ihn in die Fluten zu werfen. Jona wird von einem großen Fisch verschlungen und so gerettet. Nun führt er Gottes Auftrag aus und sagt Ninive den Untergang an. Das Wort Gottes im Munde des Propheten lässt weder Zweifel noch Ausweg: In 40 Tagen wird Gott die Stadt vernichten. Doch das Unerwartete geschieht: Die Menschen von Ninive, selbst der König, bereuen ihre Bosheit und kehren um. Und diese Reue bringt Gott seinerseits zur Reue: „Als Gott ihr Tun sah, wie sie umkehrten von ihrem bösen Weg, reute ihn das Übel, das er ihnen angekündigt hatte und tat’s nicht.“ (Jona 3,10)

Jona hat damit größte Probleme. Er will nicht Prophet eines Gottes sein, der nicht wahrmacht, was er sagt. Er will von Gott nicht zum falschen Propheten gemacht werden. Und er hält sich fest an diesem Prinzip, das auch heute wieder betont wird: Strafe muss sein! Ich kann Jona verstehen. Und doch halte ich mich – in diesem Fall – gerade an einem reumütigen Gott fest. Denn der errichtet seine Wahrheit nicht auf Leichenbergen. Das Leben seiner Geschöpfe ist ihm wichtiger als Recht zu behalten. 

Wie aber ist dann die Sintflutgeschichte zu verstehen, in der Gottes Reue nicht dem Leben dient, sondern zur Katastrophe führt? Mehr dazu im nächsten Angedacht. 

Bis dahin grüßt Sie herzlich
Ihr Pfarrer Matthias Leibach